Eltern-Kind-Bindung

Was heißt "Bindung"?

Bindung (attachement) ist die besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern oder Person, die es beständig betreut. Sie ist in den Emotionen verankert und verbindet das Individuum mit anderen, besonderen Personen über Raum und Zeit hinweg.“

Ainsworth 1973, zitiert nach Grossmann/ Grossmann 2012, S. 31

Die Bindungstheorie beruht auf den englischen Psychoanalytiker John Bowlby (1907-1990) und der Psychologin und Persönlichkeitsforscherin Mary Ainsworth (1913- 1999).

Die Bedeutung einer sicheren Eltern-Kind-Bindung

„Menschen jeden Alters wirken am glücklichsten und nutzen ihre Begabungen auf die vorteilhafteste Weise, wenn sie die Gewissheit haben, daß mindestens eine Person hinter ihnen steht, die ihr Vertrauen besitzt und ihnen zu Hilfe kommt, falls sich Schwierigkeiten ergeben.“

John Bowlby

Wenn ein Kind sicher an den Eltern* gebunden ist, ist das ein Segen und das beste, was einem Kind passieren kann! Es ist die Grundvoraussetzung, um gestärkt durch das Leben zu gehen. Mit all seinen Höhen und Tiefen. Früher stellte man das Wort „Bindung“ mit „Abhängigkeit“ gleich. Man hatte Angst, dass das Kind nicht autonom ist und abhängig von den Eltern. Man hatte Angst, es zu „verwöhnen“. Hier gleich vor ab: Man kann ein Kind nicht mit Liebe und Zuwendung verwöhnen! Verwöhnen heißt, es mit Dingen zu überhäufen, die es nicht braucht. Liebe braucht man aber immer! Was heißt das?

Wenn ein Kind weint, dann sollte man sofort zu ihm gehen und es trösten.

Wenn ein Kind Kummer hat, sollte man sich diesen anhören und ernst nehmen.

Weinen ist ein Signal das bedeutet, „ich brauche dich!“ Wenn ein Kind weinen gelassen wird, lernt es, seine Gefühle nicht zu äußern. Es lernt, „meine Eltern sind nicht für mich da“ oder „ich muss alleine klar kommen“. So wird es auch im späteren Leben mit Freunden und Lebenspartnern nicht über seine Gefühle reden können und alles mit sich selbst ausmachen.

Ein sicher gebundenes Kind weiß, dass es sich auf seine Eltern verlassen kann. Es wird bei Sorgen auf diese zugehen und mit ihnen darüber sprechen. Es wird sich bei ihr geborgen fühlen und sicher aufgehoben. Es wird seine Mitmenschen genauso aufrichtig und ehrlich begegnen, wie es das gelernt hat. Sicher gebunden Kinder sind achtsam im Umgang mit sich und anderen. Natürlich wird es auch mal wütend sein und ein „nein“ nicht einfach hinnehmen! Aber es weiß, dass es das auch darf. Denn ein sicher gebundenes Kind hat die Erfahrung gemacht, dass seine Gefühle o.k. und willkommen sind!

Die Bezugsperson ist die sichere Basis, von der aus es die Welt entdecken kann. Gleichzeitig ist sie der sichere Hafen und bietet Schutz und Geborgenheit.

Bindung ist ein Prozess , der sich in den frühen Lebensmonaten einstellt. Dies erfolgt durch Verhaltensmuster, die Neugeborene und Kleinkinder an den Tag legen – z.B. weinen, anlächeln, nachlaufen – um Nähe bei der Bezugsperson zu finden und ein Gefühl von Sicherheit zu gewinnen (Vgl. Grossmann/ Grossmann 2012, S. 72 f). 

Um eine sichere Eltern-Kind-Bindung aufzubauen, bedarf es nach Mary Ainsworth die Voraussetzung, dass die Signale eines Kindes wahrgenommen werden, diese dann richtig interpretiert werden und letzten Endes darauf prompt und angemessen reagiert wird (Vgl. Grossmann/ Grossmann). 

 

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